Nepal – Tod, Trauer und Kitkat Caramel, Tag 2

Armut, Tod und Trauer gehen oftmals Hand in Hand und liegen meistens gar nicht so weit weg von “Luxusgütern” (Lost in the supermarket – The Clash).

Nach unserem Pancake-Erdnussbutter-Bananen-Granatapfel-Frühstück, ging es für uns ins “Elderly Place”, das einzige staatlich geförderte Altenpflegeheim Nepals. Hier dürfen alle Personen ab 65 Jahre, die eine schriftliche Bestätigung darüber haben, dass niemand aus ihrer Familie mehr lebt beziehungsweise sich niemand um sie kümmern kann, bleiben. Eine Erfahrung für sich und, um ehrlich zu sein, hart an meiner Schmerzgrenze. Als wir angekommen sind wurde in einem der zwei Räumen, die mit Stahlbetten zugestellt sind, gerade eine Frau gewaschen. Diese saß dabei auf einem Sessel, während sie mit kleinen Kübeln voll Wasser überschüttet wurde, dabei schrie sie wie am Spieß und zitterte. Anscheinend war das Wasser kalt.

Wir wurden in den anderen Raum gebracht, wo wir mit Hilfe von Besen (= zusammengebundene Zweige) und Wasser den Boden sauber machen sollten. Anschließen wurden die “Betten” neu bezogen. Blöderweise haben wir in der Früh sowohl Mundschutz als auch Handschuhe vergessen.

Nepal Lektion 3: Immer Handdesinfektionsmittel mitnehmen!

Nach dem wir, emotional ein wenig angeschlagen und schockiert über die nicht vorhandenen Zustände, das Alterspflegeheim verlassen haben, stürzte uns Nawa (einer der Karmalaya Mitarbeiter) eiskalt in den nächsten Kulturschock, der praktischer Weise nur einige Meter entfernt war: die Leichenverbrennung.

Nepalesen begraben ihre verstorbenen Angehörigen nicht, sondern verbrennen sie auf einer Art Scheiterhaufen. Die übrig gebliebene Asche wird direkt in den angrenzenden Fluss gekippt, der in den Ganges (Indien) mündet. Die Nepalesen glauben, dass so die Seele des Verstorbenen direkt in den Himmel aufsteigt. Kurzfristig hat es mir den Magen umgedreht – nicht nur, weil ich noch nie zuvor eine Leiche gesehen habe, sondern auch, weil das brennende Gesicht eines Verstorbenen, sowie der Geruch nicht der schönste ist.

Zur Ablenkung brachte uns Nawa zur Stupa von Boudhanath, der größten buddhistischen Stupa der Welt. Bei einer Kanne Jasmin Tee (für ca. 3€) und einem kleinen Plausch mit den anderen Volontären war die bedrückende Erfahrung vom Vormittag schnell vergessen. Danach brachte uns Bhagwan (Mitbegründer von Karmalaya) ins Paradies: den Supermarkt. Dort gibt es alles, was ein europäisches Herz begehrt: Shampoo, Duschgel, Conditioner, Gesichtscreme bis hin zu Torten, frischen Früchten und Nüssen. Angetan hat mir neben den 10 verschiedenen Sorten Oreo Keksen vor allem das KitKat CARAMEL (!). Nach den paar Stunden Karma-Work am Anfang des Tages kann man sich ruhig mal ein bisschen Zucker in Form von einem Schokoladenriegel gönnen!

(Dieser Text erschien ursprünglich 2015 auf meinem ersten Blog.)

 

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