Rosa ist eine tolle Frau. Ich kenne sie ausschließlich über Instagram und habe mich noch nie „in echt“ mit ihr Unterhalten.
Trotzdem geht mir ihre Geschichte sehr nahe, denn ich weiß, dass Rosa und ich uns im echten Leben richtig gut verstehen würden.
Rosa hat über ihre Story auf Instagram dazu aufgerufen, ihre Artikel zu teilen. Und hier sind sie.

Ursprünglich erschienen auf www.consciouslifestyleofmine.com und hier unverändert wiedergegeben.

In den letzten Tagen habe ich viel mit einer Hebamme geredet, auch darüber wie andere Frauen mit Fehlgeburten umgehen.

Sie hat mir erzählt, dass es in 30 Jahren Erfahrung für sie das erste Mal ist, eine Fehlgeburt als Hausgeburt erleben zu dürfen. Unsere erste Fehlgeburt haben wir allein und ohne Hebamme als Hausgeburt erlebt. Dieses Mal wollten wir etwas Unterstützung und haben unserer Hebamme Bescheid gesagt – und das war wunderschön. Trotzdem war ich überrascht, als sie mir erzählte, dass sie das erste Mal zu einer „kleinen Geburt“ gerufen wurde.

Sie erzählte mir, dass die meisten Frauen, die sie in den letzten 30 Jahren betreut hat, ins Krankenhaus möchten, wenn sie erfahren, dass ihr Kind tot ist. Sie möchten weggucken und sagen „ich will davon nichts mehr wissen, macht es weg“. Ich finde das sehr traurig und ich denke, dass es den Schmerz, den ein totes Kind mit sich bringt vertieft.

Natürlich steht es jeder Frau zu in einer solchen Situation genauso zu entscheiden, wie sie es für angemessen hält und wie sie sich wohlfühlt. Ich denke aber ganz allgemein, dass es nie gut ist, Schmerz einfach zu ignorieren, wegzuschauen und zu sagen „mach es weg, ich will es nicht selbst tun“. Denn erst in der Auseinandersetzung mit dem Schmerz, kann man ihn lösen und kann ein Trauma verhindern.

Eine Ausschabung nach der Diagnose „Missed Abortion“ ist vielleicht eine schnelle Lösung, aber alle Frauen, mit denen ich nach meiner letzten Fehlgeburt gesprochen habe, haben mir auch gesagt, dass sie sich im Nachhinein so fühlen, als wenn jemand ihnen etwas weggenommen hat. Alle haben mir gesagt, dass die kalte sterile Atmosphäre des Krankenhauses nicht ihrem Bedürfnis nach Geborgenheit und Ruhe in so einem traurigen Moment entsprochen hat. Und alle haben mir gesagt, dass sie gar nicht wussten „dass man sowas auch zu Hause machen kann“. Und nicht nur das, ihnen wurde auch nicht gesagt, dass sie nach einer Fehlgeburt Anspruch auf eine Hebamme haben, genau wie nach einer lebendigen Geburt. Wir haben Anspruch auf Hebammenbetreuung im Wochenbett, wir haben Anspruch auf Rückbildungsgymnastik, auf ein Geburtsnachgespräch, auf alles, was auch einer Frau zusteht, die ein lebendes Kind auf die Welt bringt. Und so sehr wie eine Frau mit einem lebenden Baby in den ersten Tagen nach der Geburt Unterstützung braucht, so sehr braucht das auch eine Frau, die ein totes Kind zur Welt bringt. Während meiner „kleinen Geburt“ sagte ich zwischendurch spontan zu meiner Hebamme, dass es so schön ist, dass ich in meiner Situation ernst genommen werde. Denn viele Frauen werden genau das nicht. Ihnen wird gesagt, dass das Kind tot ist, dann werden sie ins Krankenhaus geschickt, dass Kind wird herausgeholt und die Frau nach Hause geschickt – allein.

Das ist schwer. Sehr schwer. Nach einem Tod allein gelassen zu werden ist schwer. Vielleicht sogar noch das Gefühl zu haben eine Verliererin zu sein (siehe vorheriger Artikel), sich selbst Schuld zu geben und nach Gründen zu suchen, auch das ist schwer. Und das manifestiert den Schmerz im Körper.

Mein Mann hat nach der letzten Fehlgeburt nur mit mir über seine Gefühle gesprochen, er hat weder Trauma-Therapie noch sonstiges in Erwägung gezogen. Die Reaktionen seiner Familie waren so, dass er nicht mehr mit ihnen darüber sprechen wollte. Und sowieso haben alle immer nur gefragt „wie geht es Rosa?“ und nicht „wie geht es dir?“. Dabei war es auch sein Kind. Er bekam Rückenschmerzen, die erst wieder richtig weggingen, als ich wieder schwanger war. Und wiederkamen, als die zweite Fehlgeburt sich anbahnte. Erst da verstand er diese Schmerzen. Er dachte zurück an die Nacht der letzten Fehlgeburt und fühlte es plötzlich deutlich in seinem Rücken pochen und er verstand, dass sich der Schmerz dort festgesetzt hatte.

Aber man kann auch anders mit dem Ganzen umgehen. Zunächst einmal ist eine Hebamme eine große Hilfe in der schweren Zeit direkt nach dem Verlust. Jemanden zu haben, der zu dir kommt, sich an dein Bett setzt, dir den Bauch massiert und einfach nur für dich da ist, ohne irgendwelche Ansprüche zu haben, ohne irgendetwas von dir zu wollen, einfach nur da ist; das ist wunderschön! Vielen Frauen reicht die Unterstützung durch eine Hebamme vielleicht auch schon, denn man kann mit den meisten Hebammen auch wunderbar über alles reden und sich so vieles „von der Seele reden“, so dass es sich dort nicht als dunkler Schatten festsetzt. Aber es gibt auch noch andere Methoden mit dem Trauma umzugehen. Die MET Klopftherapie ist eine der renommiertesten und ältesten Trauma-Therapien und man kann auch mit nur einer Sitzung (ca. 120 Euro) schon viel erreichen, bzw. viel lösen. Auch Osteopathie wirkt nach einer Fehlgeburt wunder, weniger für den seelischen Schmerz, aber als Hilfe für den Körper wieder alles an seinen Platz zu bringen und zur Vorbeugung davor, dass der Schmerz sich im Körper festsetzt, sich dort manifestiert und dann eben z.B. als Rückenschmerzen jeden Tag zu spüren ist. Natürlich kann man auch eine Gesprächstherapie beginnen, um alles zu verarbeiten, was der Verlust mit sich bringt; oft öffnet so ein Erlebnis ja auch wieder alte Narben, die dann auch wiedergesehen und gehört werden wollen und darauf warten, verarbeitet zu werden.

Das Wichtigste ist aber natürlich immer, die Liebe zu sich selbst nicht zu verlieren. Sich immer wieder zu sagen, dass man nicht verantwortlich ist, dass man keine Schuld trägt, dass alles seinen Sinn hat und dass man es Wert ist bedingungslos geliebt zu werden, genauso wie man ist. Ob mit sechs gesunden Kindern, oder mit sechs Fehlgeburten; jeder von uns ist es wert bedingungslos geliebt zu werden.

Zuerst erschienen auf: http://www.consciouslifestyleofmine.com/ueber-umgang-mit-dem-schmerz-nach-einer-fehlgeburt

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