• Dieser Tag ist der Grund dafür, wieso ich nie mit Kopfhörern Musik höre, wenn ich unterwegs bin. Ich bekomme panische Angst, wenn ich nicht höre, was um mich herum passiert.
  • Dieser Tag ist der Grund, warum ich überall, wo ich bin, nach Fluchtwegen und offenen Plätzen Ausschau halte, um möglichst schnell weg zu laufen.
  • Dieser Tag ist der Grund, wieso ich es nicht mehr in abgeschlossenen Räumen aushalte. Seitdem habe ich Angst vor Theater- und Kinosälen.
  • Dieser Tag ist der Grund, wieso ich alles, was unter der Erde ist (Clubs, Bahndurchgänge, Ubahnen), meide.
  • Dieser Tag ist der Grund, wieso ich Angst habe, wenn der Bode vibriert (zum Beispiel, wenn ein LKW oder eine Straßenbahn vorbeifährt.).
  • Dieser Tag ist der Grund, wieso ich Angst vorm Fliegen habe. Es fühlt sich an, wie ein Erdbeben.

Flashback

Katmandu, 25.4.2015. Es ist ein Samstag. Das Wetter ist nicht so gut, wie in den letzten Tagen. Seltsam aussehende, graue Wolken ziehen über den Himmel, aber das trübt unsere Stimmung nicht. Wie so oft sind wir auch diesen Samstag auf dem Wochenmarkt, dem Farmers Market. Hauptsächlich ein Ort für Touristen und zugereiste Europäer. Nepalis gehen hier kaum hin. Aber wir hatten unseren Spaß. Wir haben uns Omlettes, Pancakes und Süßigkeiten gekauft. Kaffee in der Sonne getrunken und Kuchen gegessen. Und viel gelacht. Niemand von uns konnte ahnen, dass sich noch alles an diesem Tag verändern würde.

 

 

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Mittlerweile fällt es mir nicht mehr schwer, darüber zu sprechen. Ja, ich war bei einem Erdbeben dabei. Ja, es sind total viele Leute gestorben. Ja, es war ein Wunder, dass alle, die ich in Nepal kennen gelernt habe, überlebt haben. Nein, ich kann nicht beschreiben, wie es sich anfühlt.

Übrigens: Den Grund, wieso ich überhaupt nach Nepal gefahren bin, kannst du hier nachlesen.

Es ist, als würde ich über irgendein anderes Thema sprechen. Den Wocheneinkauf, oder die neuen Schuhe, die ich gerne hätte. Es ist ein Teil meines Lebens geworden, wie der erste Schultag, oder die Maturafeier oder die Hochzeit meines Onkels. Es ist ein Ereignis, wie jedes andere. Es ist geschehen, man erinnert sich daran zurück. Aber das bedeutet nicht, dass es gut ist.

Es gibt Dinge, die kann „Zeit“ nicht heilen. Egal, wie viele Jahre vergehen werden, die 8.000 Toten werden nicht zurückkommen. Egal, wie viel Zeit vergehen wird, ich werde immer Angst vor Flugzeugen und fliegen haben, weil es sich immer wie ein Erdbeben anfühlen wird. Egal, wie viel Zeit vergehen wird, es wird immer Dinge in deinem und in meinem Leben, die nicht besser werden.

Vielleicht werden sie einfach weniger schmerzhaft, weil man sich im Laufe der Jahre an den Schmerz gewöhnt hat. Aber sie werden nie weg sein. Sie werden nie ganz geheilt sein. Denn es gibt Wunden, die können nicht geheilt werden. Auch nicht mit Zeit.

Mehr zum Thema: Hier findest du den Text, den ich kurz nach dem Erdbeben verfasst habe.
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