REPOST: Fair Fashion? Was ist das denn? – Eine Einführung

Dieser Artikel ist ursprünglich auf Pias Blog „the green walnuts“ erschienen. Den Originalartikel findest du hier.

Als die liebe Pia mich gefragt hat, ob ich denn auf ihrem Blog etwas über Fashion schreiben möchte, weil ich mich in diesem Bereich doch so gut auskenne und so viel Expertise hätte, musste ich erstmal Schlucken. Ich denke ja eigentlich sehr viel Positives über mich, aber als Fair Fashion EXPERTE hätte ich mich tatsächlich noch nicht gesehen. WOW.

Wieso braucht es heutzutage eigentlich Fair Fashion – eine kleine Einführung in die Geschichte der Mode

Kleidung gibt es genauso lange, wie es Menschen gibt. Im Laufe der Jahre hat sich da natürlich eine Entwicklung vollzogen – immerhin tragen wir keine Felle mehr. Okay, jetzt sind es Pelzmäntel oder Lederjacken – auch nicht viel besser …

Aber: zurück zum Thema. Vor gar nicht allzu langer Zeit war Kleidung eher ein Mittel zum Zweck. Irgendetwas musste man/frau ja schließlich tragen. Capsule Wardrobes und Minimalistische Kleiderschränke waren bis vor ein paar Jahren keine Trends, sondern Alltag. Auswahlmöglichkeiten oder vielleicht sogar jeden Tag etwas anderes anziehen – das war reichen Leuten vorbehalten. Die meisten Menschen hatten Arbeits- oder Alltagskleidung und das schöne Sonntagsgewand, das auch zu Anlässen getragen wurde.

Kleidung wurde auch lange Zeit nicht in Ländern des globalen Südens produziert – und wenn, dann waren es Luxusgüter. Wie zum Beispiel Seide aus China, goldbestickte Stoffe aus Indien oder exotische Felle aus Afrika.

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts ging es eigentlich sehr gediegen zu. Modetrends veränderten sich mit den jeweiligen Herrschern der großen Weltmächte. Doch dann ging es mit Modeschöpfern wie Paul Poiret oder Coco Chanel ziemlich schnell und mit einem Schlag änderte sich das Bewusstsein in der Modeindustrie. Als Beispiel: Frauen trugen auf einmal keine Korsette mehr und stattdessen Hosen. Klingt absurd, war aber tatsächlich ein großer Schritt.

Während und zwischen den Kriegen wurde Mode dann wieder unwichtiger, immerhin ging es ums Überleben und nicht darum, das neuste Chanel Blüschen zu besitzen. Dann aber kamen die 50er. Der Krieg war vorbei, die Wirtschaft ruiniert aber es gab einen Aufschwung. Auf einmal wurde es wichtig, sich schön zu kleiden. Mode wurde ein Statement – zum Beispiel in den 60er Jahren. Jeans, T-Shirt, Hotpants und Minirock wurden erfunden und mit offenen Armen begrüßt.

Es gab nicht mehr 2 Auswahlmöglichkeiten, sondern bald 4 Kollektionen, Mode wurde politisch, ein Statement aber auch eine Möglichkeit, seine Individualität zu unterstreichen: ein Ausdrucksmittel der eigenen Persönlichkeit. Mode wurde plötzlich wichtig.

Und dann ging alles sehr sehr schnell. Immer mehr Modehäuser, Kaufhäuser, Designer und Trends poppten auf. Kannst du dich noch an den Mode-Trend der 40er, 50er, 60er, 70er, 80er, oder 90er erinnern. Sicher, oder?! Aber wie siehts mit den 2000ern aus? Oder den 2010ern? Eher nicht so.

Ich kann dir auch sagen wieso: Weil wir mittlerweile bis zu 24 Kollektionen haben. Ja, richtig gehört! 24 KOLLEKTIONEN pro Jahr. Das bedeutet, dass alle zwei Wochen neue Kleidungsstücke in den Geschäften hängen. Verrückt oder?

Dazu kommt, dass wir Konsumentinnen und Konsumenten im Durchschnitt nur 60% der Kleidung, die wir besitzen, auch tatsächlich regelmäßig tragen.

Demonstrantin_I_dont_want_to_die_Copyrigth_Solidarity_Center
Demonstrantin: I don’t want to die. Copyright: Solidarity Center

Der Einsturz des Rana Plaza – ein Meilenstein in der Fair Fashion Geschichte

Im Jahr 2013 ist eine der schlimmsten Mode-Tragödien aller Zeiten passiert. Der Einsturz des Rana Plazas in Bangladesch forderte 1.135 Tote und 2.348 Verletzte. Obwohl das Gebäude von der Polizei auf Grund von baulichen Mängeln und Rissen in den Wänden gesperrt wurde, zwangen die Inhaber der Textilfabriken 3.000 Menschen zur Arbeit. Und das für einen Hungerlohn von umgerechnet 30€ im Monat.

Gegen 9 Uhr früh kollabierte das Gebäude – in ihm die Arbeiter und Arbeiterinnen. Auf einmal galt das internationale, öffentliche Interesse den Zuständen in den Fabriken Bangladeschs. Die Katastrophe des 24. Aprils 2013 brachte ein Umdenken mit sich. Die Rufe nach Mode, die nicht auf Kosten anderer hergestellt wird, wird laut. Oder zumindest lauter.

Ganz sicher war es nicht der Beginn von Fair Fashion, aber definitiv der Durchbruch. Veranstaltungen wie die Fashion Revolution Week oder Filme wie „The True Cost“ entstehen. Immer wieder schreiben Zeitungen oder auch Online-Medien Berichte über die katastrophalen Arbeitsbedingungen. NGOs informieren warnen vor den Umweltschäden – denn die Modeindustrie ist gleich nach der Öl-Industrie jene, die die Umwelt am meisten verschmutzt.

anchalproject-I-made-your-clothes
I made your clothes. Copyright: anchalproject

Ist Fair Fashion die Lösung aller Probleme?

Fair Fashion ist bestimmt eine Lösung für diese Probleme. Fair Fashion bedeutet unter anderem:

  • Faire Löhne
  • Faire Arbeitsbedingungen
  • Keine Ausbeute
  • Keine Kinderarbeit
  • Keine Umweltgifte
  • Natürliche Materialien: dazu gehören zum Beispiel Bio-Baumwolle, Lenzing Modal, Recyceltes Polyester und Plastik, Hanf, Lyocell oder Tencel, Kork, Soja, Ananas, Brennnessel
  • Keine giftigen Chemikalien (zum Beispiel zum Bleichen von Jeans)
  • Transparente Transportwege – im Idealfall werden die sehr kurz und somit der ökologische Fußabdruck sehr klein gehalten.
Fashion-Revolution (C) JacobsWell_Sumitra
Fashion Revolution Week. Copyright Jacobs Well

Fair Fashion ist also definitiv eine extreme Verbesserung zu herkömmlicher Mode, aber nicht DIE Lösung. Es ist – ressourcentechnisch – überhaupt nicht möglich, die gesamte Produktion auf Fair Fashion umzustellen. Zumindest nicht, wenn wir Kleidung in dem Ausmaß produzieren, wie wir es jetzt tun.

Viel mehr braucht es ein Umdenken in der Gesellschaft. Meine Meinung nach müssen wir – was Mode betrifft – wieder mindestens 60 Jahre zurückgehen. Wir müssen lernen, Mode und Kleidungsstücke wieder Wert zu schätzen und sie nicht als Wegwerfprodukte zu sehen. Qualität sollte uns wieder wichtiger als Quantität sein – dadurch profitieren alle Beteiligten.

Mein persönlicher Zugang ist, dass ich so viel wie möglich Second Hand kaufe. Bei den Dingen, die ich nicht „gebraucht“ kaufen möchte, wie zum Beispiel Unterwäsche oder Socken, achte ich darauf, dass sie fair und nachhaltig produziert werden. Außerdem challenge ich mich immer wieder selbst und taste mich so langsam aber sicher an eine Capsule Wardrobe heran.

[Featured Image: Copyright Sandra Reiterer]


Mehr zum Thema Fashion:

Advertisements

2 Kommentare zu „REPOST: Fair Fashion? Was ist das denn? – Eine Einführung

    1. Hei Dorie! Dankeschön, freut mich, dass du es interessant findest 🙂 ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Umstieg echt einfach ist, man darf sich nur selber nicht stressen. Mein Geheimtipp: Mädelsflohmärkte oder Kleiderkreisel – da findet man richtig richtig coole Teile. LG!

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s