Project 333 – Der zweite Monat

So. Mein zweiter Monat, in dem ich versuche, nur mit 33 Dingen auszukommen, ist vorbei. Und ich kann ehrlich sagen: Ich bin gescheitert. Den September über war ich noch total gespannt darüber, wie es wird. Habe mich darauf gefreut, neue Outfits aus meinem minimalistischen Kleiderschrank zu zaubern. Ich habe fast jeden Tag Fotos davon gemacht und gemerkt, wie einfach es ist, sich in der Früh zu entscheiden, was man anziehen möchte.

Doch dann kam der Rückschlag. Irgendetwas ist passiert oder wurde gesagt (da ich nicht mal mehr genau weiß, was eigentlich der Auslöser war, kann es eigentlich nicht so wichtig gewesen sein, oder?) und schon war ich wieder im Shoppingfieber. Um zumindest einigen meiner Prinzipien treu zu bleiben, habe ich mir Dinge auf Kleiderkreisel gekauft. Second Hand also. Nichts Neues. Trotzdem.

Teufelskreis Gesellschaft

Seien wir uns doch mal ehrlich: Das Problem an dieser ganzen “ich-kaufe-nichts-mehr” Sache ist doch ein gesellschaftliches. Mittlerweile ist es einfach gesellschaftlich nicht mehr anerkannt, nichts zu kaufen.

Aber der Trend zum Verzicht kommt, wie man merkt, wieder. Immer mehr Leute lehnen sich gegen das System auf, in dem sie ganz bewusst auf Konsum verzichten. In dem sie nicht mehr dort einkaufen, wo sie bisher gekauft haben. Aber es ist eben auch nur ein Trend. Es ist etwas, von dem eine ganze Industrie hofft, dass es möglichst schnell wieder verschwindet. Und obwohl Tauschparties, Vintage Shops u.ä. gerade wieder total en vogue sind, ist und bleibt es für viele eben nur ein Trend.

Für mich ist und bleibt es aber mehr. Es ist etwas, das mir persönlich tatsächlich am Herzen liegt. Und auch, wenn es Rückschritte gibt, werde ich so weiter machen. Ein nachhaltiger Lebensstil ist nichts, was man sich über Nacht angewöhnt. Oder über drei Monate hinweg. Natürlich gibt es Menschen, die von heute auf morgen mit dem Rauchen aufhören. Oder die Finger von Alkohol lassen. Es gibt Leute die einfach beschließen vegan zu sein oder nachhaltig zu leben und das ganz radikal durchziehen. Ich gehöre nicht dazu.

Jedem sein Tempo

Aber ich muss da auch nicht dazu gehören. Jedem sein eigenes Tempo, jedem sein eigener Schritt. Wenn man die Fair Fashion Bewegung anschaut, erkennt man, dass diese einen deutlichen Aufschwung in den letzten paar Jahren erlebt hat. Marken wie Armed Angels oder People Tree haben sich etabliert, in immer mehr Kaufhäusern kann man “fair” einkaufen, Bio-Supermärkte schießen wie Schwammerl aus dem Boden und öko zu sein hat längst nichts mehr mit den Gesundheitsschlapfen tragenden Naturfanatiker zu tun. Es wird langsam chic, nachhaltig zu sein und sich auch so zu geben. Selbst in Frauenmagazinen gibt es immer wieder eine Seite, oder manchmal sogar eine ganze Reihe zu Ökothemen. Wird aus dem Trend vielleicht doch eine längerfristige Bewegung? Oder gar etwas, das bleibt?

Doch wie lange kann bio noch bio sein?

Es ist gut, dass es so ist. Es ist gut, dass es hip ist, bei einem Biosupermarkt zu kaufen und mit einer wiederverwertbaren Glasflasche herumzulaufen, ganz so als wäre diese eine Designer Tasche. Es ist gut, dass Gucci in der neuen Kollektion – und auch in zukünftigen – auf Pelz verzichten möchte. All das ist gut, aber es gibt wie immer ein aber.

Wie fair kann faire Mode bleiben, wenn sie in allen Kaufhäusern der Welt erhältlich sein wird. Wie fair kann faire Mode sein, wenn es Geschäfte, so groß wie die der schwedischen Modeketten, geben wird. Wie fair kann faire Mode sein, wenn sie auf einmal für alle und jeden zugänglich gemacht wird? Wie fair ist es, sich nur mehr faire Dinge zu kaufen?

Diese und andere Fragen haben dazu geführt, dass auch ich bewusst auf Konsum verzichtet habe. Oder es zumindest versuche. Ich kaufe ganz bewusst Dinge, vor allem Kleidung, die bereits im Umlauf ist. Sprich Second Hand. Ich glaube, dass mein ökologischer Fußabdruck dadurch geringer ist, denn die Kleidung, die ich trage, wird nicht extra für mich produziert. Und genau deswegen mache ich bei Dingen, wie Project 333 mit. Auch, wenn ich es keine zwei Monate aushalte.

Aber ich kann eben nicht alles von heute auf morgen ändern. Ich kann mich nicht sofort von allen Dingen trennen und nur mehr 33 Kleidungsstücke tragen. Was ist denn mit dem Rest? Allerdings hat das Projekt, die Challenge, mir gezeigt, dass es schaffbar ist. Nicht unbedingt machbar, aber schaffbar. Wenn man möchte, kann man sehr gut mit nur 33 Kleiderstücken leben. Selbstverständlich gehört ein bisschen Planung dazu. Im September mit einigen Sommersachen zu starten, war wohl etwas naiv von mir. Aber ich habe daraus gelernt.

Übrigens bin ich wieder nach Wien gezogen und habe meinen Kleiderschrank aufgeräumt. Es befindet sich deutlich mehr darin, als 33 Dinge, aber deutlich weniger als davor. Gerade versuche ich noch herauszufinden, welche Kleidungsstücke ich wirklich mag und gerne trage, und welche nicht. So habe ich zum Beispiel bemerkt, dass ich Pullover hasse und es sich nicht lohnt, die zu kaufen. Dafür bin ich ein großer Fan von Blusen geworden. Und Lederleggins. Und schwarzen Hosen. Was mich am meisten überrascht hat: Ich komm total gut mit nur zwei Paar Schuhen aus.

 

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