Wieso ich im Büro grantig bin oder: greenwashing vom Feinsten

Gestern Vormittag war ich echt grantig in der Arbeit. Nicht, weil der Kaffee in Deutschland schlecht schmeckt, ich nur vier stunden geschlafen hatte oder Ähnliches, sondern weil ich, seit ich ein Praktikum bei einer Online-Zeitung mache, wieder Zeit habe, Nachrichten zu lesen.

Und zwar in dem Ausmaß, dass ich jeden Blödsinn sofort mitbekomme. Vermutlich ist euch schon aufgefallen, dass ich wieder überdurchschnittlich viel auf meiner Facebook-Seite teile – das kommt auch daher.

Und gestern war es dann einfach zu viel. Da ist mir innerlich wirklich der Kragen geplatzt.

Liebe Modeindustrie – was zur Hölle soll das? Erst die scheinbar nachhaltigen Bikinis von weekday und dann das recycling-weg-werf-kompostierbare T-Shirt von C&A.

Leute, echt jetzt?! Das ist greenwashing vom feinsten und so unrealistisch, dass es mir alle Haare aufstellt.

Wieso denn das? Fragen sich einige von euch vermutlich. Und das ist ja auch eine sehr berechtigte Frage, dafür bin ich da. Hier also ein verzweifelter Erklärungsversuch, wieso große Modeketten nicht nachhaltig sind und es auch nie sein werden.

  1. weekday
    • weekday ist ein Ableger vom Textilschweden h&m
    • Der, wie wir wissen, Vorreiter im Bereich greenwashing ist
    • Gibt es hier, hier und hier nachzulesen
    • weekday wirbt schon länger damit, dass sie auf nachhaltige Mode setzten und hat schon öfter „nachhaltige Kollektionen“ raus gebracht. Dabei werben sie damit, dass sie Stoffreste verwenden, die bei der Produktion angefallen sind. Oder auch aus recyceltem Polyamid und recyceltem Polyester, wie jetzt bei der Bademodenlinie.
    • Das ist alles schön und gut. Auch die Idee mit der „Capsule Collection“ also, dass sie nur eine bestimmte Menge produzieren, ist nett – aber jetzt überlegen wir uns das doch mal genauer:
    • In keinem der Artikel, die ich zu weekday gelesen habe, steht drinnen, wie hoch der Anteil an recyceltem Material ist. Wir kennen das ja vom Textilschweden, dass er dinge gerne als nachhaltig bezeichnet, die dann vielleicht im Endeffekt zu 0.5% aus Biobaumwolle bestehen… daher bin ich da etwas skeptisch.*
    • Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass weekdays in anderen Fabriken produziert wie h&m ergo sind die Arbeitsbedingungen bestimmt gleich beschissen: Stichwort moderne Sklaverei und Ausbeutung.
    • Der für mich eindeutigste Grund, warum es nicht nachhaltig sein kann: die Badeanzüge kosten 25€, die Höschen liegen bei schlappen 10€. Das bedeutet also, selbst WENN die Sachen wirklich ausschließlich aus recycelten Materialien bestehen, ist das ein netter Gag, macht die Sache aber nicht nachhaltig. nachhaltig bedeutet nämlich, dass es von Anfang bis Ende mit rechten Dingen zugeht. vor allem auch, dass diejenigen, die ganz unten in der supply chain stehen, fair bezahlt werden für die Arbeit, die sie leisten. das kann bei 10€ pro ’nachhaltigem‘ Höschen ja wohl wirklich nicht der Fall sein.
  2. C&A
  • Ein Kollege von mir meinte gestern, dass man keine emotionale Bindung zu C&A hat. das würde ich so nicht unterschreiben. Wenn die nämlich mit Meldungen wie dieser hier kommen, dann bringen sie mich echt zur Weißglut.
  • alleine, dass c&a jetzt auf Umweltschutz setzt ist so lächerlich, wie das h&m bis 2030 nachhaltig werden will
  • das Problem liegt da nämlich ganz woanders und ist viel größer: unternehmen, die so eine große Stückzahl haben, können nicht nachhaltig sein. die Umstellung würde sie so viel kosten, dass es sich vermutlich nicht rentiert. rein finanziell gesprochen. ich persönlich sehe keine Möglichkeit, dass diese mega Textilkonzerne nachhaltig werden, solange die Verbraucher nicht ihr Konsumverhalten massiv verändern.
  • so oder so ähnlich steht es übrigens auch in dem oben verlinken Artikel drinnen. dankenswerter weise wird nämlich Greenpeace Deutschland befragt und zitiert:

Alexandra Perschau, Textilexpertin bei der Umweltschutzorganisation Greenpeace, hält den Ball lieber flacher. Sie bezeichnet die Initiative C&A als Schritt in die richtige Richtung. Es sei gut, wenn beim Produktdesign von Anfang an die künftige Wiederverwertung gedacht werde. Doch wirklich beeindruckt ist die Expertin nicht.
[…] Vor allem ein Punkt aber dämpft die Begeisterung der Greenpeace-Expertin Perschau. „Selbst wenn die Kleidungsstücke biologisch abbaubar sind, solange wir davon Unmengen konsumieren, ist der Umwelt damit nicht substanziell geholfen“, meint sie. „Kleidung wird heute immer kürzer getragen.“ Das müsse ein Ende haben. Die Bekleidungsindustrie müsse wegkommen von dem Geschäftsmodell, einfach immer mehr zu verkaufen zu wollen.

  • übrigens sollen die T-Shirts zwischen 7€ und 9€ kosten. wenn das nicht schon alles sagt…

so, ich hör jetzt auf, mich aufzuregen und grantig zu sein. allerdings möchte ich auch vorher noch mit meinem vermutlich eh schon allerseits bekannten Mantra auf die Nerven gehen:

Liebe Leute! bitte überlegt euch, was ihr wo, wie und warum einkauft. man braucht wirklich nicht 20 tshirts und 28 hosen. weniger ist mehr, Qualität statt Quantität. es gibt tolle Plattformen, Tauschbörsen, Freundinnen etc. um second hand Sachen zu erwerben. je weniger neu produziertes wir kaufen, desto weniger impact hat das auf die Natur und Umwelt. sollte es mal neu sein, dann vielleicht doch fair fashion? mittlerweile gibt es ja wirklich alles alles alles in fairfashion. und bitte glaubt nicht jeden Blödsinn, den euch die Werbeindustrie verzapfen will. schaltet euren Hausverstand ein und überlegt auch, ob das richtig sein kann. ob die Bezahlung bei den preisen fair sein kann.

Danke. Ende. Over. Out.

 

 

*Ich hatte auch noch keine Zeit ein weekday Geschäft in München aufzusuchen. ich versuche das nachzuholen und gebe dann ein Update.

 

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Ein Kommentar zu „Wieso ich im Büro grantig bin oder: greenwashing vom Feinsten

  1. es ist halt viel einfacher, ein schaf zu sein. wenn ich zurück sehe, denke ich mir: für mich war das konzept „shoppen gehen“, also konsum zum spass, auch mal da. macht ja jeder! kost ja nix! is doch egal!
    natürlich sehe ich das heute anders. gott sei dank! vor allem dank solcher artikel wie deiner hier, werde ich immer wieder in die richtige geschupst.
    nach 5x umziehen macht kleider wiederverwerten, tauschen & investieren auch sinn, die einsicht kommt mit dem alter doch…
    schönes we!

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