Auf meinem Laptop klebt ein großer, mintgrüner Sticker, auf dem in verschnörkelter, weißer Schrift “Offline is the new luxury” steht. Wer mich kennt, weiß, dass das fast an Blasphemie grenzt. Ich bin nämlich die Person, die immer am Handy ist. Bei lustigen Vorstellungsrunden, bei denen man/frau sich selber mit drei Worten beschreiben soll, stelle ich mich mit den Worten “immer am Handy” vor und finde mich dabei unbeschreiblich witzig.

Wunderbare Welt der Technik

Für mich ist klar: es gibt einen Gott. Er hat Smartphones und Apps wie WhatsApp oder Signal erfunden, damit wir rund um die Uhr mit der ganzen Welt kommunizieren können. Und seit es Sprachnachrichten gibt, muss ich nicht mal mehr selber schreiben, sondern kann einfach in mein Handy reden, ohne dabei telefonieren zu müssen.

Ich liebe das 21. Jahrhundert. Technik ist einfach etwas Tolles und dieses Internet erst, zum Glück konnte sich das – entgegen der Behauptung von so einigen – schlussendlich doch noch durchsetzen. Bedenken bezüglich des gläsernen Menschen? Nope. Null. Ich finde es faszinierend, wenn ich meinen eignen Namen google und unendliche Seiten mit Information über mich selber finde. (Ja okay, es sind zwei. Erwischt.)

Und trotzdem versuche ich mich langsam aber sicher der glitzernden Social-Media-Welt (zumindest teilweise) zu entziehen.

Eine Woche lang weder Instagram noch Netflix

Vermutlich fragst du dich jetzt, wieso ich das alles mache, wo ich es doch so toll finde und am liebsten den ganzen Tag nichts anderes machen möchte, als IGTV zu schauen. Ganz einfach: Es nützt mir nichts. Mir fehlt einfach der Mehrwert für mich selbst.

Ich bin, nachdem ich 45, 15 oder auch nur 4 Minuten auf Instagram war, kein besserer Mensch. Ich kann nicht unheimlich gut kochen, ich kann auch keine Statistiken auswerten und habe in dieser Zeit vermutlich nichts für meine eigene Bildung gelernt.

Ich fühle mich danach entweder schlecht, traurig oder bin neidisch auf das Leben anderer. Social Media löst bei mir genau das aus, was es auslösen möchte: den Wunsch so zu sein, wie jemand anderes. Ein Leben zu führen, das ich vermutlich nie auch nur ansatzweise führen werde. Und darauf kann ich eigentlich ziemlich gut verzichten.

Auf geht’s zum Digital Detox

Deshalb habe ich mir selber ziemlich spontan – heute früh – Digital Detox verordnet. Das bedeutet Digitale Entgiftung. Und das wiederum bedeutet eine Auszeit von dem glamourösen Instalife.

Sicherheitshalber habe ich Netflix auch gleich dazu genommen, weil ich sowieso schon am Überlegen bin, mein Abo zu kündigen. Außerdem gehöre ich zu den Leuten, die jede Hollywood-Romanze für bare Münze nehmen und als eine Art Dokumentation des wahren Lebens, so wie es sein sollte, sehen.

Ich mein, seien wir uns ehrlich: Der Teufel trägt Prada? Natürlich Blond? Sex and the City? Halloooo – das ist einfach mein Leben, das da als Hollywoodfilm verpackt wurde. Genauso, wie The Holiday der Beweis dafür ist, dass es in ein paar Jahren keinen Klimawandel mehr gibt. Weil ganz selbstverständlich ist Amanda Woods (Cameron Diaz) mein Zukunfts-Ich. Und irgendwann mache ich auch Urlaub in diesem süßen kleinen verschneiten Cottage irgendwo in England und treffe auf unheimlich romantische Art und Weise meinen zukünftigen Ehemann (den ich natürlich schon seit 2 Jahren date und den ich total romantisch am Arbeitsplatz kennen gelernt habe – 100 days of summer? Wohl eher 100 days of Lisa nur halt mit einem “happily ever after” am Ende.)

Ich könnte ewig so weiter machen mit ungefähr jedem Film, den ich gesehen habe, aber ich glaube ihr habt verstanden, worauf ich hinaus will. Falls nicht, weil ihr die Filme nicht gesehen habt, dann hört auf zu lesen, schaut sie euch an, lest dann erst weiter und kündigt erst danach euer Netflixabo.

Digital Detox: Tag 1

Zurück zum Thema: Heute in der Früh habe ich die Instagram App von meinem Handy gelöscht. Und meiner besten Freundin geschrieben, dass ich gerne mein Netflixabo kündigen möchte.

Jetzt ist es 20:05 Uhr und ich habe noch keine Entzugserscheinungen. Untertags, während der Arbeit ist es mir nicht abgegangen. Mein Tag war deswegen nicht schlechter oder weniger erfüllend. Er war eigentlich genauso wie immer.

Nach der Arbeit, zu Hause, war ich mir kurz nicht 100% sicher, was ich jetzt machen soll. Ich habe mich ein paar Mal selber dabei ertappt, wie ich darüber nachgedacht habe, einen Film zu schauen. Weil – was macht man sonst?

Und genau dieser Gedanke – dieses “ja, was soll ich denn sonst machen” – ist es, wieso ich diese Challenge wage. Ich habe genug andere Dinge zu tun. Ich wollte meinen “Ein guter Plan” intensiver nutzen, Bücher lesen, endlich meinen Schal fertig stricken, den Blog endlich endlich endlich fertig updaten und auf Vordermann bringen, Italienisch lernen, meine Steuererklärung machen UND UND UND.

Diese Woche ist es also soweit. Diese Woche lebe ich das, was ich seit Monaten tagtäglich auf meinem Laptop lese: Offline is the new luxury.

Mal schauen, wie das so wird.


[Featured Image: Photo by Matthew Kalapuch on Unsplash]

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